Die vernachlässigte „Erste Meile“ – Grenzen der Suchmaschinen bei der Gästegewinnung
17.03.2010. 21:43
Alte Internethasen erinnern sich: Die „Letzte Meile“, das war der kupferne Flaschenhals, der Hausanschlüsse mit dem bereits fix und fertig in der Straße liegenden Hochgeschwindigkeitskabel der Deutschen Telekom verband - und das Surfvergnügen erheblich ausbremste. Das ist, zumindest für Viele, nur noch Geschichte....
Damals wurden die Homepages übrigens noch von wirklichen Menschen in redaktionell betreuten und gut sortierten Linksammlungen überprüft und katalogisiert!
Kaum eine Dekade später sehen wir uns vor Millionen von Homepages, deren Inhalt, wenn überhaupt, nur noch maschinell, d.h. mit Hilfe der großen Search Engines von Google bis Yahoo halbwegs erschlossen werden kann. Das Volumen (wenn auch nicht immer die Qualität) des weltweit verfügbaren Informationsangebots ist geradezu explodiert.
Jegliche öffentlich angebotene Information geht zunächst erst einmal im großen Datengrundrauschen verloren. Das gilt übrigens nicht nur im Internet, sondern auch in allen anderen Medien.
Damit sind Sie auch als Touristiker konfrontiert: Wie im Internet Gäste gewinnen, die nichts von Ihrer Destination wissen, die sich nicht dafür interessieren, also auch nicht danach suchen?
Merke: Gäste könnten suchen, die Informationen würden blitzschnell zu ihnen kommen - denn die „letzte Meile“ ist überwunden - aber sie kommen überhaupt nicht auf die Idee!
Sie haben als Destinationsmanager Ihre Hausaufgaben gemacht, Ihre Ferienregion ist blitzsauber aufgestellt, Ihre Homepage perfekt, die Gästezahlen stagnieren trotzdem?
Lassen wir an dieser Stelle einmal die wirtschaftliche Lage und deren Auswirkungen, geändertes Urlaubsverhalten, Wandel der Alterstruktur und dergleichen bei Seite.
Die vernächlässigte "Erste Meile"
Bei allem Hype um die Möglichkeiten guten Suchmaschinen-Marketings haben viele vom Internet begeisterte Fachleute die „Erste Meile“ aus den Augen verloren.
Suchmaschinen und deren richtige „Stimulierung“ helfen Ihnen bei Gästen, die sich bereits für Ihre Art von Urlaubsattraktionen interessieren, die bereits in ähnlichen Zielen Urlaub machten und nun eine Abwechslung suchen, ohne die Präferenzen gänzlich zu ändern. Aber:
- Suchmaschinen sind zunächst nicht zur Überwindung der „Ersten Meile“ geeignet.
- Die „Erste Meile“ beschreibt den Entscheidungsraum, der Ihre Destination grundsätzlich von der Aufmerksamkeit neuer Zielgruppen trennt.
- Die „Erste Meile" ist nicht nur die Bremse auf der anderen Seite Ihres Bildschirms, sie ist die Bremse im Kopf Ihrer zu gewinnenden neuen Gäste.
- Die „Erste Meile“ ist die Hürde, die auch von der besten Homepage des attraktivsten Urlaubsgebietes überwunden werden muss.
- Auf dieser „Ersten Meile“ und nur dort kann beim Urlauber die Idee entstehen, einmal etwas ganz anderes zu machen.
Lösen Sie sich also bitte einen kurzen Moment von all dem Gerede um Technik und Content Management, Bandbreiten und Hotelvideos. Lassen Sie uns einen Augenblick verweilen und noch einmal einen Blick darauf werfen, wie Informationen fließen.
Fangen Sie von vorne an. Fragen Sie: Was passiert in den Köpfen Ihrer potentiellen Gäste, wenn diese eigentlich nach „Meer“ suchen - und die Destination, für deren Management Sie verantwortlich sind, dummerweise im Mittelgebirge liegt?
Wer mit dem Wunsch, an die Nordsee zu fahren, auf Internetsuche geht, wird nicht im Leben von sich aus auf die Idee kommen, im Harz Urlaub machen zu wollen. Er „findet“ den Harz daher selbst dann mit Sicherheit nicht, wenn das „Harz“-Ferienportal an erster Stelle der Google-Trefferliste erscheint.
Sie sehen: Zumindest hier helfen die schönsten Suchstichworte nicht, die Ihre Internetagentur listig in Ihren Seiten platziert und anderweitig „versteckt“ hat.
Sicherlich ist eine gute Homepage wichtig, dass leugnet auch unsere im März 2010 veröffentlichte Untersuchung zu den Internetportalen deutscher Feriengebiete nicht.
Die primäre Aufgabe der Aufmerksamkeitsgewinnung muss zumindest bei der Neukundenakquise dennoch zuerst inhaltlich gelöst werden, erst dann kann ihre Erfüllung auch mit Hilfe geeigneter (!) Internetmaßnahmen sehr gut unterstützt werden.
Was können Sie tun?
Überprüfen Sie also noch einmal Ihre Alleinstellungsmerkmale:
- Reichen sie aus, um eine Urlaubsentscheidung im harten Wettbewerb mit anderen Destinationen wirklich maßgeblich zu beeinflussen?
- Wer hat eigentlich noch keine Wanderwege?
- Was könnten Sie mit dem Geld für einen einzigen nicht gebauten Fahrradweg für Marketingmaßnahmen ergreifen?
- Was unterscheidet Ihre Region wirklich von den gerade angesagten Urlaubspräferenzen?
- Was haben Sie zu bieten, was einen Strandliebhaber zum Grübeln bringen könnte?
- Und wie lenken Sie dessen Aufmerksamkeit darauf?
- Wissen Sie wirklich, warum Ihre Stammgäste immer wieder kommen?
- Sollten Sie nicht doch einmal endlich eine echte Gästebefragung durchführen?
- Rücken Sie nicht nur vor bis Internet!
- Folgen Sie nicht jedem teuren Internettrend, lassen Sie sich wirklich gut beraten!
- Investieren Sie die dafür vorgesehenen Ressourcen in traditionelle Werbeformen!
- Machen Sie all das, was die Internetfetischisten unter Ihren Wettbewerbern schon zum alten Eisen geworfen haben!
- Gehen Sie auch mit physischer Präsenz in Ihre traditionellen Quellgebiete!
- Denken Sie wieder einmal an die guten alten Roadshows, Radiospots, Plakate!
- Bringen Sie die Leute vor Ort auf die Idee, dann suchen Sie auch nach Ihnen im Internet!
Hans-Joachim Reinecke (Geschäftsführer AMADAY)
Kommentar(e)
Hallo Herr Reinecke,
ich hab noch keine Mail von Ihnen erhalten,
oder ist sie bei mir igendwie verloren gegangen.
Gruß
W. Wittke
GlasHotel in Zwiesel
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